Artikeln

Reitze Smits Entwicklungen in der Bach-Interpretation
Het ORGEL 114 (2018), nr. 3, 14-21 [Zusammenfassung]



Aufmerksamkeit für den Zusammenhang zwischen Alter Musik und ihrem Kontext gibt es bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert. Aber eine historisch fundierte Aufführungspraxis kam vor allem erst ab der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zur Blüte. Mittlerweile ist das so lange her, dass die Bewegung, die daraus entstand, die sogenannte Historical Informed Practice (historisch informierte Aufführungspraxis), bereits ihre eigene Geschichtsschreibung aufweist. Es sind in unserem Jahrhundert verschiedene Übersichten in Artikeln und Büchern erschienen, die aufzeichnen, wer die Hauptakteure waren, welche Gedanken im Mittelpunkt standen, was die Entwicklungen in der Bewegung waren. In der Zeit, die Gegenstand der Historical Informed Practice ist, besonders das 17. und 18. Jahrhundert, war Musik älter als 30 Jahre bereits altmodisch. Die Historical Informed Practice existiert mittlerweile schon länger, aber entwickelt sich noch immer und erweitert sich auf spätere Musik.
In der Nachfolge von Bruce Haynes unterscheidet Smits nicht allein die Strömungen des 20. Jahrhunderts, in denen eine “romantische” und “moderne” Art des Spielens vorherrschten, sondern auch eine “rhetorische” Art des Spielens als Alternative für die Interpretation von Alter Musik. Dabei steht der Ausdruck der Musik im Mittelpunkt, nicht die Expressivität des Ausführenden (“romantisch”) oder die Distanz des perfektionierten Virtuosen (“modern”).



BWV 530-2 Handschrift Wilhelm Friedemann Bach und Anna Magdalena Bach Auf das Photo klicken für eine Vergrösserungvegroting.