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Laura de Lange Leben und Werk von Samuel de Lange jr. (1840-1911)
Het ORGEL 112 (2016), nr. 5, 4-11 [Zusammenfassung]



Samuel de Lange junior wuchs in einer musikalischen Familie auf. Vater Samuel de Lange (1811-1884) war in Rotterdam tätig, zuerst als Hilfsorganist der Lutherse Kerk, danach nacheinander als Organist der Waalse Kerk in der Hoogstraat, der Zuiderkerk und der Grote of St.-Laurenskerk. Sowohl Samuel junior als auch sein ein Jahr jüngerer Bruder Daniel bekamen eine gründliche Musikerziehung. Samuel schien eine außerordentliche Begabung für das Klavier und die Orgel zu haben. Sein Bruder Daniel wurde, nach Unterrichtsstunden zu Hause, auf dem Cello durch Simon Ganz ausgebildet. Rund um ihren zehnten Geburtstag bekamen die Brüder auch noch Kompositionsunterricht, anfänglich bei Dupont, später bei Johannes Verhulst, der noch Schüler von Mendelssohn gewesen ist. Alxander Winterberger (1834-1914), Schüler von Franz Liszt, ging regelmäßig bei Familie De Lange ein und aus und war einer der Orgellehrer von Samuel junior. Die Gebrüder De Lange sorgten Ende der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts als Cello-Klavierduo international für Furore. Bis sie 1863 endgültig nach Rotterdam zurückkehrten, ging jeder seinen eigenen Weg.
Samuel blieb in Rotterdam und nestelte sich tief als Lehrer und ausführender Musiker in das dortige Musikleben: auf dem Klavier als Solist und in Kammermusikensembles, und auf den Orgeln der Waalse Kerk, der Zuiderkerk und der Laurenskerk. Seine Karriere als Organist nahm ab 1863 einen eindrucksvollen Höhenflug und er konzertierte u.a. in Haarlem, Delft, Utrecht, Den Haag, Basel und Leipzig.
Genau wie sein Vater setzte sich Samuel junior dafür ein, die Musik von Johann Sebastian Bach in den Niederlanden bekannt zu machen. Daneben war er ein starker Promoter seines Freundes Johannes Brahms.
Von 1874 bis 1885 blieb Samuel de Lange im Ausland (Basel, Paris und Köln). Als in Köln die Neudeutsche Schule, zu der Samuel keine Afinität hatte, immer mehr Einfluss bekam, kehrte er in die Niederlande zurück. In Den Haag wurde er Direktor der Abteilung Den Haag der Gesellschaft zur Bevörderung der Tonkunst. Aber Samuel fühlte sich in den Niederlanden nicht immer zu Hause. Das deutsche Musikleben zog ihn immer wieder an. 1893 zog er nach Stuttgart, wo er als Dozent am Königlichen Konservatorium für Musik tätig war.
Das Oeuvre von De Lange umfasst ca. 700 Werke, die er vor allem in Köln und Stuttgart komponierte. Er schrieb Werke für Klavier solo, Kammermusik in allerlei Besetzungen, darunter 13 Streichquartette, vier Symphonien, Solokonzerte und viel Vokalmusik, Lieder und Chorwerke, z.T. mit Orchesterbegleitung. Für Orgel komponierte er u.a. Sonaten, kurze Stücke, Präludien und Fugen, Variationen und Pedal-Etüden. Sein ganzes Werk steht in der deutsch-romantischen Tradition von Mendelssohn (über seinen Lehrer Verhulst) und Brahms.




Samuel de Lange jr juni 1904 in Stuttgart