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Albert Clement ‘Sechs Choräle von verschiedener Art’. Teil 2: Die den Orgelchorälen zu Grunde liegenden Texte (BWV 645, 650, 646)
Het ORGEL 110 (2014), nr. 1, 4-13 [Zusammenfassung]



Um Bachs mögliche Absichten mit den Schübler-Chorälen wirklich begreifen zu können, ist es essentiell, dass man sich der praktischen und kreativen Art und Weise bewusst ist, mit der Lieder in Bachs Zeit verwendet wurden. In der 2. Folge des Dreiteilers über Bachs Schübler-Choräle wird darum näher auf die Choraltexte eingegangen, die BWV 645, 650 und 646 zu Grunde liegen. Die Sammlung der Schübler-Choräle wird eröffnet mit “Wachet auf, ruft uns die Stimme” (BWV 645) und abgeschlossen mit “Kömmst du nun, Jesu” (BWV 650). Der letzten Bearbeitung aus dem Zyklus gab Bach einen anderen Titel als dem Text des entsprechenden Teils aus der Kantate. Textstudien leiten zu dem Schluss, dass es deutlich eschatologische Motive gewesen sein müssen, die Bach dazu bewogen haben, BWV 650 die heutige Überschrift zu geben und dieser Choralbearbeitung damit, zusammen mit BWV 645, eine Rahmenfunktion in seiner Sammlung dieser sechs Werke zu verleihen. Beide Kompositionen beziehen sich auf das Eingehen in die Ewigkeit; Bach soll das Kommen von Christus in diesem Kontext dann auch im eschatologischen Sinn begriffen und gemeint haben.
Über BWV 646 hat Bach zwei Liedtitel notiert: “Wo soll ich fliehen hin” und “Auf meinen lieben Gott”. Beide Choräle sind mit eschatologischen Themen im allgemeinen und mit “Sterben und Ewigkeit” im besonderen verbunden.




Christoph Wolle