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Jan Hage ‘Un regard ami’. 100. Geburtstag Jehan Alain
Het ORGEL 107 (2011), nr. 6, xx-xx [Zusammenfassung]


Der vor hundert Jahren geborene Jehan Alain hat in seinem sehr kurzen Leben einen sehr persönlichen und (darum) wichtigen Beitrag für die Orgelkultur geliefert. Seine “Litanies” gehört seit Jahrzehnten zu den meist gespielten Orgelwerken. In diesem Artikel wird ein kurzes Portrait von diesem Komponisten skizziert und seine Kompositionstechnik wird näher betrachtet.
“Kommunikation” ist im Oeuvre von Alain der Schlüsselbegriff. Die individuelle Herangehensweise an Musik, die ihn so von anderen Komponisten von Orgelmusik seiner Zeit unterscheidet, entstammt der Tatsache, dass bei ihm nicht das fachmäßige Komponieren nach den herrschenden Konventionen im Vordergrund steht, sondern der persönliche Ausdruck. Bei ihm beginnt alles mit einem Gefühl, einer Stimmung, einer Atmosphäre, einem Bild, das als Inspirationsquelle für eine Komposition dient.
Was Jehan Alain versucht zu kommunizieren, darf man nicht losgelöst von seiner non-konformistischen Lebenshaltung sehen. Wie viele in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg setzte auch er sich von Dingen aus dem neunzehnten Jahrhundert ab, die katastrophal für die Menschen und das Zusammenleben waren: die großen Ideale und das Gebaren, der Pathos. Er kehrte sich vom modernen Leben mit seinem Materialismus, seiner Künstlichkeit und seine Rationalisierungen ab. Alain sucht es im spontanen Ausdruck, der das pure Leben kennzeichnet, wie er bei einem Kind zu finden ist, in der Natur, in nicht-westlichen Kulturen und im vergangenen.
Um das zu vertonen, wählt er die Mittel, die im gerade recht kamen, ohne sich all zu viel um Regeln oder Struktur zu kümmern. Der Kreativität, Offenheit und Erneuerung und dem Interesse für Exotik und verschiedene Modi nach hat er wohl viel mit seinem Zeitgenossen und Kollegen Olivier Messiaen gemeinsam, der dies selber auch einst signalisierte. Gleichzeitig bilden sie aber auch Gegenpole. Messiaen systematisierte seine Technik schnell, was bei Alain undenkbar ist.
Verschiedene musikalische Aspekte (Form, Rhythmus, Klang, Tonmaterial) sind typisch für Alain und unterscheiden ihn von den meisten anderen Komponisten von Orgelmusik,