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René Verwer Zum Gedenken an Alexandre Guilmant – anlässlich des 100. Todestages eines wichtigen Promotors der französischen Orgelkunst
Het ORGEL 107 (2011), nr. 5, xx-xx [Zusammenfassung]



Der französische Organist und Komponist Alexandre Guilmant, an dessen 100. Todestag 2011 erinnert wird, spielte eine sehr prominente Rolle in der Entwicklung der französisch-symphonischen Orgelkultur. 1837 in Boulogne-sur-Mer geboren wurde er anfänglich durch seinen Vater und Gustave Carulli unterrichtet, aber erst seine Lehrzeit bei dem belgischen Orgelvirtuosen Jacques-Nicolas Lemmens im Jahre 1860 ist von bestimmenden Einfluss gewesen. Dessen “style sévère” sollte die profane Spielweise von Lefébure-Wely und seinen Zeitgenossen verdrängen, mit Zustimmung des Orgelbauers Cavaillé-Coll. Bis 1871 war Guilmant in seiner Heimatstadt als Organist und Chorleiter tätig. In diesem Jahr folgte er dem jung verstorbenen Alexis Chauvet als Organist der Pariser Kirche Ste.-Trinité nach. In dieser Kirche stand ihm eine große Cavaillé-Coll-Orgel zur Verfügung. Er spielte viele Werkstatt- und Einweihungskonzerte und war Fürsprecher sowohl für Cavaillé-Coll als auch Merklin. Sein Ruhm nahm noch weiter zu, als er ab 1878 eine Reihe von “historischen Konzerten” im Pariser Trocadero gab. In diesem Konzertsaal initiierte Guilmant das Orgelkonzert, ein bis dahin unbekanntes Phänomen in der französischen Hauptstadt. Er machte deutlich, dass die Orgel neben ihrer kirchlich-liturgischen Funktion auch die Qualität zum Konzertinstrument besaß. Guilmant war der erste französische Organist, der in Amerika auftrat, und als international berühmter Musiker hatte er auch bald Schüler aus diesem Erdteil. Ab 1896 bis zu seinem Tot unterrichtete Guilmant am Pariser Konservatorium und an der Schola Cantorum. Zu seinen Schülern gehörten Joseph Bonnet, Nadia Boulanger und Marcel Dupré. Sein Amt an der Ste.-Trinité endete abrupt 1901, aber ein Jahr später wurde er zum “organiste honoraire de Notre-Dame de Paris” ernannt. Seine Qualitäten als Komponist sind in manchen Kreisen noch immer umstritten, obwohl ein Teil seiner Werke gegenwärtig wieder viel gespielt wird. Zu seinen größten Verdiensten gehören zum Schluss seine Ausgaben alter französischer Musik, obwohl er auch deutsche und italienische Musik herausgab. Auf dem Gebiet des Orgelbaus war Guilmant derjenige, der während des “fin-de-siècle” die weitere Entfaltung der klassisch-französischen Orgelkunst vorbereitete.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Guilmant an die Trocadero-Orgel



Orgel in Meudon


Von links nach rechts: Widor, Guilmant en Gigout (1909)