Artikeln

Cees van der Poel & Rogér van Dijk ‘Die Süße und doch gewaltige Kraft des Ganzen’ (Die restaurierte Orgel in der Maria van Jessekerk in Delft)
Het ORGEL 107 (2011), nr. 2, 16-26 [Zusammenfassung]


Als Ersatz für einen Kirchenbau von 1733 wurde 1882 die neugotische Maria van Jessekerk in Delft vollendet. Die zweimanualige Orgel mit 19 Registern aus dem alten Kirchengebäude wurde in der neuen Kirche aufgestellt. Um 1890 wurden Pläne für eine neue Orgel gemacht, wofür Kontakt mit dem Utrechter Orgelbauer Maarschalkerweerd aufgenommen wurde, der zu der Zeit mit dem Bau der Orgel für das Amsterdamer Concertgebouw beschäftigt war. Maarschalkerweerd baute eine dreimanualige Orgel, die im September 1893 eingeweiht und eine Woche später durch Jos. A. Verheijen abgenommen wurde. Das Gehäuse des Instrumentes wurde im Atelier von Johann Heinrich te Poel und Friedrich Stephan Stoltefus angefertigt.
In den Jahren 1930/31 erfuhr die Orgel einen eingreifenden Umbau, der durch den Orgelbauer Jos. Vermeulen aus Alkmaar durchgeführt wurde. Er versah das Instrument mit einer pneumatischen Spiel- und Registertraktur. Die komplette mechanische Traktur von 1893 wurde entfernt und Vermeulen baute die Laden von Maarschalkerweerd zu Kegelladen um. Dabei bewahrte der die originalen Pfeifenstöcke und Rasterbretter. Die Windversorgung blieb größtenteils intakt. Es wurde ebenfalls ein neuer Spieltisch gebaut und der Umfang der Manuale von f3 nach g3 erweitert. Die Erneuerung von Traktur und Windladen erwies sich langfristig als wenig glücklich. Die Störanfälligkeit des Systems wurde mit den Jahren größer; es war immer mehr Kunst und Flickwerk nötig, um die Orgel einigermaßen spielbar zu halten. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde ein Restaurierungsplan aufgestellt, der von einer Rekonstruktion des Zustandes von 1893 ausging. Der Auftrag zur Restaurierung wurde an die Firma Elbertse Orgelmakers in Soest vergeben. Sachverständiger bei der Restaurierung war Jos Laus.
1893 pries ein Rezensent die Orgel wegen der “Süße und doch gewaltigen Kraft des Ganzen”. Nach der heutigen Restaurierung ist diese Charakterisierung wieder völlig zutreffend.

 

Photos Jan Smelik

 

 

Photos Cees van der Poel