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Jaap den Hertog ‘ein Schwalbennest an der Kirchewand …’ Das Gehäuse der Orgel aus Harenkarspel
Het ORGEL 107 (2011), nr. 3, 14-25  [Zusammenfassung]


Von 1888 bis einschließlich 2004 befand sich im Rijksmuseum in Amsterdam ein Orgelgehäuse, von dem nur bekannt war, dass es aus Harenkaspel stammte und dass es aus der Mitte des 16. Jahrhunderts datierte. Dank einer Untersuchung ist nun bekannt, dass Teile des Gehäuses 1888 durch den Antiquitätenhändler J.L. Schouten aus Delft bei einem Bauern in der Nähe von Harenkarspel gefunden wurden. Nachdem er das Gehäuse unter Benutzung dieser alten Teile rekonstruiert hatte, zog das Werk 1888 auf die Nationale Ausstellung für altes und neues Kunsthandwerk in 's-Gravenhage um. Danach wurde das Gehäuse auf Empfehlung von David van der Kellen jr. durch den Niederländischen Staat für ƒ 2500 angekauft.
Über die frühere Geschichte der Orgel ist wenig mehr herauszufinden, als dass sie sich um 1750 in Harenkarspel befand. Ob sie dort bereits im 16. Jahrhundert hing, ist nicht wahrscheinlich. Der Autor bringt die Hypothese vor, dass es wohl die Reste der kleinen Orgel aus der Westerkerk in Enkhuizen sein könnten.
Vom ursprünglichen Instrument stammen nur noch der Balkon, die Teile des Prospektes und vier flache Paneele aus dem Unterbau. Da die Prospektpfeifen verschwunden waren, stellte Schouten dafür hölzerne Attrappen an ihre Stelle. Dabei gebrauchte er jedoch die alten Stöcke, auf denen noch die Kreise der Pfeifendurchmesser zu finden sind. Auf Grund davon kann man mehr über die Weitenmensur des Praestanten sagen. Die Ornamentik zeichnet sich durch einen Reichtum an Formen aus, wobei Grotesken und Voluten für die Grundstruktur sorgen. Daneben werden allerlei pflanzliche Motive verwendet. Es finden sich auch Formen in Gestalt von Delfinköpfen. Eine Analyse der Formgebung lässt eine Datierung um ca. 1550 warscheinlich erscheinen. Der Balkon ähnelt dem der Chororgel in Alkmaar. Aber während dort gotische Elemente vorherrschen, treten im Fall von Harenkarspel mehr Züge der Renaissance auf. Die Identität der Wappen auf dem Balkon ist schwer festzustellen. Es ist nicht sehr glaubhaft, dass ein so reich gearbeitetes Gehäuse für eine Dorfkirche bestimmt war, eher muss an eine Stadtkirche gedacht werden.
2004 wurde das Gehäuse durch Flentrop Orgelbouw demontiert; es wartet nun auf eine neue Bestimmung.

 

Photos von Orgelbau Flentrop (Erik Winkel)