Albert Clement xxx
Het ORGEL 106 (2010), nr. 3, xx-xx [Zusammenfassung]

Im zweiten von drei Artikeln, in denen Mendelssohn als Nachfolger von Bach beleuchtet wird, wird auf die große Aufmerksamkeit für den Choral in den ersten drei Sonaten (op.65) eingegangen, die Mendelssohn 1845 herausgab.
Der Komponist, der manchmal lange an seinen Kompositionen herumfeilte, stellte die sechs Sonaten größtenteils aus früheren, selbständigen Stücken zusammen. Bei der Zusammenstellung verarbeitete Mendelssohn in drei Fällen Choräle, die Bach viele Male verwendete.
Obwohl Mendelssohn anfänglich für die erste Sonate einen eigens konstruierten Choral komponierte, beschloss er im Dezember 1844, doch den Choral “Was mein Gott will, das gescheh’ allzeit” zu gebrauchen. Die Wahl für dieses Trostlied hängt mit dem Umstand zusammen, dass zu der Zeit, in der Mendelssohn an dieser Sonate arbeitete, sein jüngster Sohn sehr ernsthaft erkrankte.
In der zweiten Sonate hat Mendelssohn in der abschließenden Fuge einen Choral verarbeitet. Das Thema dieser Fuge ist nämlich melodisch identisch mit dem Anfang des Chorals “Der Mond ist aufgegangen”. Dieses Abendlied passt in die lutherische Tradition, nach der “Abend” auch als “Lebensabend” aufgefasst wird, der Abend des Menschenlebens. Die Wahl Mendelssohns für diesen Choral, wobei er möglicherweise an die erste Zeile der fünften Strophe gedacht hat (“Gott, laß uns dein Heil schauen”), scheint eine persönliche Reflektion über den Tod von Mendelssohns Freund und Lehrer Eduard Gans zu sein.
Im ersten Teil der dritten Sonate gebraucht Mendelssohn den bekannten Lutherchoral “ Aus tiefer Noth schrei ich zu dir “. Nach dem majestätischem A-Teil eröffnet der B-Teil mit einem Thema, das fugatisch verarbeitet wird und wobei die Choralmelodie im Pedal erklingt. Das Fugenthema zitiert den Ausschnitt aus Mendelssohns Symphonie “Lobgesang”, wo die Worte aus Jesaja 21 (Vers 11: “Wächter, ist die Nacht bald hin?”) vertont sind. Die Thematik dieser Worte findet man in der vierten Strophe des Chorals “Aus tiefer Noth” wieder. Mendelssohn muss beim Komponieren des ersten Teils der dritten Sonate an den Text dieser Strophe gedacht haben.
Antonio Caporaso: Giovanni Salvatore - ein Zeitgenosse von Frescobaldi
Girolamo Frescobaldi (1583-1643) ist ohne Zweifel der bekannteste italienische Komponist von Tastenmusik aus dem siebzehnten Jahrhundert. Es gab in jenem Jahrhundert auch weniger bekannte und unbekannte Komponisten, die damals sehr bekannt und berühmt waren. Einer von ihnen ist Giovanni Salvatore (ca. 1610-ca.1688). Obwohl er in seiner Zeit wegen seiner vokalen und instrumentalen Werke einer Berühmtheit bis weit über die Grenzen Italiens hinaus war, ist er heutzutage kaum noch bekannt.
Salvatore lebte und arbeitete in Neapel, wo am Beginn des siebzehnten Jahrhunderts eine Tradition entstand, nach der die wichtigsten musikalischen Posten immer vom Lehrer an den Schüler übergingen. Salvatore spielte eine wichtige Rolle in dieser “didaktischen Kette”; er sorgte dafür, dass bis zum Ende des siebzehnten Jahrhunderts viele Talente in der Musikkultur Neapels erblühen konnten.
Zu Lebzeiten Salvatores wurde die Sammlung Ricercari a quattro voci per Organo, canzoni francesi, toccate e versi per rispondere nelle Messe con l’organo al Choro che si canta nelle Domeniche dell’Anno bei O. Beltrano in Neapel herausgegeben (1641). Die Sammlung umfasst acht Ricercare, vier Canzonen, zwei Toccaten und drei Orgelmessen. Auffällig ist, dass Salvatore in dieser Sammlung exakt die Kompositions-Gattungen aufeinander folgen lässt, denen man im Oeuvre von Frescobaldi begegnet, aber dort über einige Jahrzehnte verstreut. Wichtiger scheinen noch die Übereinstimmungen im Stil und der Vorliebe von Frescobaldi und Salvatore für das Verfeinern, für Affekte und Virtuosität zu sein. Interessant ist auch, dass Salvatore für die letzte seiner vier Canzonen das Thema der Bergamasca verwendete, genau wie Frescobaldi, der die Canzone über dieses Thema nach seiner dritten Messe (“Messa della Madonna”) als Anhang einfügte.
 


 


Statue von Mendelssohn in Leipzig. Photo: Sietze de Vries