Jaap Jan Steensma (& Marieke Lefeber) Händel, Haydn und die Walzenorgeln
Het ORGEL 106 (2010), nr. 1 10-21 en nr. 2, 4-19 [Zusammenfassung]

2009, dem Gedenkjahr von Händel und Haydn, konnte man im Nationaal Museum van Speelklok tot Pierement (Nationalen Museum für Spieluhren und Drehorgeln) die Ausstellung “Haydn live” besichtigen. Die Ausstellung handelte von der wichtigen Rolle, die Haydn auf dem Gebiet der mechanischen Musik gespielt hat. Haydn komponierte und arrangierte Musik für Flötenuhren, die durch Pater Primitivus Niemecz gebaut wurden. Es sind vier Uhren von Niemecz erhalten geblieben, die alle auf der Ausstellung zu sehen und zu hören waren. Daneben war auch eine Flötenuhr von Charles Clay (ca. 1738) ausgestellt, auf der Musik von Händel programmiert ist.
Im ersten Teil des Artikels (Het Orgel 2009 Nr. 6) wird die Geschichte der fünf Walzenorgeln behandelt, wobei unter anderem die orgelbaukundlichen Aspekte an die Reihe kommen. Ebenfalls wird auf die Beziehung einerseits zwischen Händel und Haydn und andererseits zwischen den Machern der Uhren eingegangen. Es wird unter anderem deutlich, dass instrumentenkundliche Aspekte Einfluss auf die Musik von Walzenorgeln haben. So sind originale Tempi einer Aufführung nicht mehr zu ermitteln und die meisten Walzenorgeln verfügen nur über eine beschränkte Tonfolge, was auch direkte musikalische Konsequenzen hat.
Im zweiten Teil (Het Orgel 2010 Nr. 2) wird näher auf die Musik eingeganten: das Repertoire, die Programmierung der Musik, die musikalischen Angaben in den Programmen und die möglichen Konsequenzen für die Aufführungspraxis.
Aus dem Repertoire für Walzenorgeln wird deutlich, dass der Mensch des 18. Jahrhunderts kein Problem damit hatte, Kompositionen, die ursprünglich nicht für das Instrument geschrieben waren, für die Walzenorgel umzuarbeiten. Bestimme Kompositionen werden Öffentlichkeit und Auftraggeber angesprochen haben und sollten aus diesem Grund auf Walzenorgeln wiedergebbar sein. Durch die Eigenheiten und Beschränkungen des Instrumentes gezwungen gingen Bearbeiter und Programmierer dazu über, kleine und größere Eingriffe in der ursprünglichen Partitur vorzunehmen. Die Möglichkeiten des Instrumentes und die Musikalität der Bearbeiter scheinen dabei die musikalische Form oder das so getreu wie mögliche Ausführen der originalen Partitur zu überwiegen.

Photos


Joseph Niemecz 1792


Joseph Niemecz 1792


Joseph Niemecz 1793


Joseph Niemecz 1795


Beispiele:

  1. Joseph Haydn: Fuga, allegro assai, Hob. XIX:16, 1789.
  2. Joseph Haydn: Menuet, Hob. XIX:29.

Buch:
Jan Jaap Haspels, Marije Hulleman, Bob van Wely, Haydn herboren - 12 originele opnamen uit 1793 (Boek + cd). Nationaal Museum van Speelklok tot Pierement te Utrecht 2004. ISBN: 90-801699-3-5. Webseite: www.museumspeelklok.nl