Michael Belotti Zur Überlieferung der Orgelmusik Buxtehudes
Het ORGEL 103 (2007), nr. 4, 30-35 [Zusammenfassung]

Tabulatur rechts:
Der Anfang der Choralfantasia ‘Nun freut euch, lieben Christen gmein’ von Dieterich Buxtehude in der Handschrift Johann Sebastian Bach.
Der Autograph wurde anfang August 2006 durch zwei Forscher des Leipziger Bach-Archivs, Michael Maul und Peter Wollny, in dee Anna-Amalia-Bibliothek entdeckt. Voraussichtlich hat Bach die Abschrift kurz vor 1700 gemacht. Man fand auch eine Abschrift von Bach von der Choralfantasia ‘An Wasserflüssen Babylon’ von Johann Adam Reincken.

Von den Orgelwerken Buxtehudes sind keine Autografen überliefert. Ebensowenig wurden zu Lebzeiten des Komponisten Orgelkompositionen gedruckt. Moderne Editionen müssen sich deshalb auf Abschriften beschränken und deren Authentizität einschätzen. In diesem Artikel wird diese Problematik näher beschrieben. Es wird unter anderem dargelegt, dass Fehler in den Abschriften nicht immer durch fehlerhafte Interpretationen der Tabulatur verursacht werden, wie es bis heute oft gedacht wird, sondern dass sie zum größten Teil auf das Konto der Tabulaturschreiber gehen.
Bei der Ausgabe von Buxtehudes Orgelmusik stößt man auf viele Überlieferungsfragen. Sowohl das Vermischen von Versionen aus verschiedenen Quellen, angefüllt mit fantasiereichen Vermutungen, als auch eine unkritische Reproduktion einer Quelle führt zu keiner verantwortungsvollen Ausgabe. Was vielmehr verlangt wird, ist eine kritische Evaluation der Quellen, worin ihre gegenseitige Beziehung und der Kontext ihrer geschichtlichen Überlieferung diskutiert werden.